Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen

Eine Kursteilnehmerin wollte mich in eine Diskussion verwickeln: Kann sie mehr leisten, als sie eigentlich will. Bevor ich ihr antworten konnte, klingelte Ihr Handy. Ihr Mann wollte unbedingt wissen, ob sie heute Abend zum Abendessen komme oder nicht.

So ginge es die ganze Zeit. Sie war nach dem Telefonat, das über 10 Minuten lang ging, so richtig gestresst. Sie beklagte sich, dass Sie dauernd unterbrochen werde. Immer und immer wieder. Durch Ihre Tochter, Ihren Mann. Sogar Ihr Chef meine, er müsse immer wieder andere Dinge von ihr verlangen.

Und dann, wenn sie endlich mal Ruhe gefunden hätte, würde sie von einem Thema ins nächste laufen. Nichts bringe sie fertig. Sie wisse eigentlich nicht mehr, was wichtig sei oder nicht. Nebensächliches mache ihr mehr und mehr Spaß.

  1. Sie haben keine Ziele und keine Prioritäten!

    Unterscheiden Sie bitte, bei allem was Sie planen und tun: Was ist wichtig, was ist dringend. Schreiben Sie am Abend, spätestens am nächsten Morgen auf, was Sie machen wollen. Unterscheiden Sie dabei in 4 Prioritäten und versuchen, genau so, wie geplant, die Liste abzuarbeiten.

    Regel: Bevor Sie anfangen zu arbeiten werden Sie ab sofort planen!

    1. A Priorität: Das muss SOFRT gemacht werden
    2. B Priorität: Wichtig, aber nicht sofort
    3. C Priorität: kann warten
    4. D Priorität: das brauchen wir heute nicht tun
  2. Sie können nicht Nein sagen?

    Immer werden wir mit Anfragen überhäuft. Das ist doch schön - überfordert uns aber auch gleichzeitig. Es fällt uns schwer, Nein zu sagen. Das kann viele Gründe haben: Wir freuen uns im Grunde, dass wir unentbehrlich sind. Oder wir möchten eigentlich helfen. Wir wollen nicht grob sein und jemanden verschrecken. Oder weil wir Angst haben, nicht mehr geliebt zu werden.

    Ich will, dass Sie sich Ihrer Bedürfnisse klar werden. Und ich will auch, dass Sie nicht immer Nein sagen - so wie wir gebraucht werden, so brauchen wir auch die Anderen. Es kommt auf das richtige Maß an!

    Regel: Von jetzt an sagen Sie nicht JA, wenn Sie NEIN meinen!
  3. Sie wolle immer alles perfekt machen?

    Niemand ist perfekt! Niemand. Überlegen Sie nicht lange hin und her, bevor Sie anfangen etwas zu tun. Haben Sie keine Angst, Fehler zu machen. Ich definiere Erfahrung als die Summe unserer Fehler!

    Regel: Oft ist weniger mehr!
  4. Sie wollen alles parallel, also alles auf einmal machen?

    Regel: Machen Sie das, was Sie gerade tun, fertig!

    Erst dann geht es an die nächste Arbeit - auf der Liste (siehe oben!)
  5. Sie verschieben lieber, oder machen was anderes - es mangelt an Selbstdisziplin?

    Jau, ich verstehe, nicht jede Arbeit macht wirklich Spaß. Und hier gebe ich Ihnen den Trick mit, wie es trotzdem einfach geht: Jede Arbeit hat einen Sinn, dient einem Zweck. Setzten Sie sich also ein Ziel. Danach gibt es eine Belohnung! Klingt gut,nicht wahr?

    Regel: Mit Zielen arbeiten heißt: Selbstdisziplin. Heißt auch: Macht über sich zu haben!
  6. Etwas Unangenehmes steht an. Lieber nach hinten verschieben?

    Ich verrate Ihnen, wie Sie ein schön schlechtes Gewissen bekommen. Ganz einfach: Sie haben etwas Unangenehmes zu tun - Buchhaltung, Steuer, Absage etc. Verschieben Sie es doch einfach auf morgen. Oder besser auf übermorgen. Verschwenden Sie Energie, Zeit und Arbeit damit, Gründe zu finden, wie Sie das Unangenehme verschieben können. Klappt doch! Und das Gewissen ist so richtig schlecht.

    Regel: Alles, was unangenehm ist, hat die Priorität A!
    Augen zu und durch.
  7. Sie können und wollen Ihren Arbeitsplatz nicht aufräumen?
    Das Genie überblickt das Chaos?

    Ich war lange durch einen meiner guten Chefs geprägt: Er hatte ein fantastisches Gedächtnis. Und zwei Schreibtische, voll mit Schriftstücke. Er konnte allerdings immer sagen, wo was ist.

    Ich nicht.

    Ich habe lange Zeit damit verbracht, das Gewünschte zu suchen. Und um es dann doch wieder auf einen anderen Stapel zu legen. Dann sagte mir jemand: Halte Ordnung auf Deinem Schreibtisch. Du wirst schneller. Du hast weniger Stress. Du lebst besser. Stimmt!

    Regel: Halten Sie Ordnung auf dem Schreibtisch.
    Das schafft Ordnung. Auch im Kopf.

    Und umgekehrt.
  8. Sie lassen zu viele Störungen zu?

    Sie wollen etwas machen. Aber....
    • Sie sind der Verursacher:
      • Keine Ordnung am Schreibtisch, Arbeitsplatz
      • Sie arbeiten an etwas, was nur scheinbar wichtig und dringend ist
      • Sie haben keinen Plan, Ihre Zeiteinteilung ist schlecht oder widerspricht Ihrem Körper / Geist
      • Sie wollen alles zu 100% fertig bekommen
    • Andere stören Sie:
      • Emails kündigen sich an, womöglich noch mit Sound
      • Familienangehörige, Kollegen oder Chefs unterbrechen laufend und halten sich nicht an "Blockzeiten"
      • Unangemeldete Besuche zerreißen unseren Tag

  9. Tipp: Schreiben Sie sich 2 Wochen lang auf, was und wer Sie unterbricht. Wenn Sie genau wissen, was Sie stört, dann können Sie dagegen arbeiten und Lösungen finden. Und wichtig: Planen Sie Störungen ein!

    Regel: Planen Sie Blöcke: Einen Block, bei dem Sie von niemanden gestört werden und sich auch nicht stören lassen!
  10. Sie haben natürlich keine Zeit, mal eine Pause zu machen, die Akkus aufzuladen?

    Ich sage Ihnen, das ist grottenfalsch. Ein paar Fakten:

    1. Wenn Sie arbeiten, dann verbrauchen Sie Energie
    2. Haben Sie wenig oder keine Energie, dann brennen Sie aus.
    3. Wenn Sie ausgebrannt sind, dann werden Sie unproduktiv, unkonzentriert, schlecht.

    Regel: Sie brauchen Pausen. Planen Sie diese ein.


  11. Und sie wissen im Kopf genau, was Sie tun müssen. Zeitpläne, TodoListen sind nichts für Sie?

    OK, dann können Sie auch nicht besser werden. Sie bleiben Mittelmaß. Wenn überhaupt.

    Profis arbeiten anders:
    Sie bereiten den Tag am Abend zuvor vor.
  • Sie schreiben ihre geplanten Arbeiten, Termine und Aufgaben auf.
  • Sie haben Tagesziele.
  • Sie achten darauf, dass Zeit für Ungeplantes da ist.
  • Sie verplanen Maximum 60% ihrer Zeit
    (je höher Sie in der Hierarchie eines Betriebes / einer Organisation angesiedelt sind, desto weniger. Ganz oben: Maximum 20%)
  • Bleiben Sie trotzdem flexibel. Manchmal erledigen sich die Dinge auch von selbst
  • Genießen Sie das Gefühl, wenn Sie einen Punkt erledigt haben.

Habe ich da was aufgeschrieben, was Sie nicht schon kennen? Na also.

Was hält Sie aber davon ab, besser zu werden? Ihr Kopf? Ok, dann sind Sie noch nicht reif. Sie brauchen noch mehr Schmerzen.